Abschied von Gründungsschwester

Sr. Herta Damolin * 30.10.1921 † 18.12.2021

Der Tod eines geliebten Menschen ist die Rückgabe einer Kostbarkeit, die Gott uns nur geliehen hat.

Sr. Herta Damolin war und ist für uns solch eine Kostbarkeit. Kurz vor Weihnachten ist sie nach einem erfüllten Leben im Alter von 100 Jahren gestorben. Der Psalm 23 hat sie bis zum letzten Tag begleitet.

Erste Begegnungen mit den Christusträgern hatten sie und Sr. Gretel Knauber auf einer Skifreizeit in Oberstdorf. Das wurde für sie zu einer neuen Gottesbegegnung und wirkte sich auch auf den Jugendkreis aus, den sie in Karlsruhe leiteten. Durch die Christusträger hörten sie von der großen Not in den Ländern, in denen sich Schwestern und Brüder engagierten. Sie stellten sich der Herausforderung, diese Auslandsarbeit zu unterstützen. Dazu wurde 1968 der Christusträger-Waisendienst gegründet, zusammen mit Sr. Anni Abler und einigen Christusträgerschwestern- und Brüder. Ende 1968 konnten schon 80 Kinder in Karachi und in Indien unterstützt werden. Es waren vor allem Kinder von Leprakranken, die bisher keinerlei Bildung bekommen und damit keine Lebensperspektive hatten. 21 Paten hatten sich bis dahin schon dafür gemeldet.

Viele Jahre haben Sr. Herta und Sr. Gretel nebenberuflich mit vollem Einsatz den Waisendienst aufgebaut. Sie haben Kontakte und Freundschaften gepflegt, die Patenbriefe vermittelt und übersetzt, die Freundesbriefe noch mit Schreibmaschine getippt und per Matrize abgezogen. In Gemeinden und Schulen haben sie Vorträge gehalten und Patenschaften vermittelt. Sr. Herta war „der im Verborgenen wirkende gute Geist der Buchhaltung“ – so hieß es in einem der Freundesbriefe.

Zu den Projekten in Pakistan und Indien kamen bald neue in Vietnam, Indonesien und in südamerikanischen Ländern. Vor allem in Indien wurde die Arbeit sehr ausgeweitet. Dorthin unternahmen Sr. Herta und Sr. Gretel auch die erste ihrer vielen Besuchsreisen, „nicht als Touristen, sondern per Jeep und Eisenbahn viele Hunderte Kilometer zu den Kinderheimen“, sie waren also ganz direkt mit der Not der Ärmsten konfrontiert.

Als der Waisendienst schon mehr als 1000 Kinder unterstützte und die beiden Schwestern ins Rentenalter kamen, wurden 1986 Mitarbeiter eingestellt, auch um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. Das Büro wurde nach Ostfildern und 1997 dann nach Braunschweig verlegt. Sr. Herta und Sr. Gretel blieben dem CTW aber noch viele Jahre verbunden, als Beirat und weiterhin durch Vorträge. Immer waren sie sehr interessiert an der Entwicklung in den einzelnen Ländern.

Ein großer Einschnitt in ihrem Leben war im Jahr 2007 der Umzug nach Rödermark in das „Betreute Wohnen“ und der Tod von Sr. Gretel ein Jahr später. 2015 ist Sr. Herta ins Pflegeheim „Morija“ umgezogen und wurde dort liebevoll von den Christusträger-Schwestern und den anderen Mitarbeitern betreut. Bis in ihr hohes Alter hatte sie eine dankbare und positive Lebenseinstellung, war aufmerksam und interessiert am Ergehen des CTW und sie war eine treue Beterin. Wir sind ihr von Herzen dankbar für ihren Einsatz und ihre Hingabe. Nun darf sie Jesus schauen, den sie geliebt hat, und sie darf auch sehen, wofür sie gelebt hat.

Sr. Christine Fimpel | CTW-Vorstand

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Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gereicht.

Die Bibel | Matthäus 25, 35a